Home Kandooma
Kandooma liegt im Süd-Male-Atoll und ist mit Speedboot in einer knappen Stunde von Male aus erreichbar. Auf der Insel ist Platz für etwa 240 Gäste, die zumeist aus Deutschland kommen. Andere Nationalitäten sind eigentlich nur irrtümlich vertreten.

Die Insel ist schön bewachsen, es gibt unterschiedliche Palmenarten, und man gibt sich Mühe, einen englischen Garten anzulegen.
Beete werden schön ordentlich in Beton gefaßt. Gartenzwerge haben leider noch keinen Einzug gehalten.
Der Kampf gegen Mosquitos wird auf der Insel offenbar weitgehend individuell ausgetragen. Jeden Abend kommt der Room-Boy und versprüht Gift im Zimmer. Zweckmäßigerweise läßt man danach die Fenster und Türen zu, und das Licht aus. Der zimmereigene Propeller verquirlt dann den Dampf und die immerhin auch nachts noch 30 Grad heiße Luft. Den Mosquitos schadet diese Behandlung nur sehr bedingt. Eine praktische Klimatisierung läßt sich mit einem nassen T-Shirt erreichen.
Die Hotelleitung stellt keine Mosquito-Netze zur Verfügung, und eine diesbezügliche Frage an der Rezeption wurde unverschämt mit einem Hinweis auf den Inselshop beantwortet.
Da Kandooma durch das Riff von jeglicher Brandung weitgehend abgeschottet ist, hält sich der natürlich vorkommende Sand in Grenzen. Um diesem Mangel abzuhelfen, wurde Muschelsand von irgendwo angekarrt, und an den Badestränden verteilt.
Der gravierende Nachteil dieser Methode besteht darin, daß dieser Sand aus ziemlich scharfkantigen Muschelfragmenten besteht, sodaß sich meine Füsse auch nach 2 Wochen nur ungern auf diesem "Sand" liefen. Dementsprechend liegen die Leute hauptsächlich auf Plastik-Liegen. Alles andere ramponiert nur die Haut.
Aber - dieser Sand sieht aus der Ferne schön aus. Nur - er hat nix mit schön feinem Sand zu tun, durch den man gerne läuft, oder in dem man sich räkelt.
Die Insel ist von einem recht unzugänglichen Riff umgeben, und nachdem sie an der Außenseite des Atolls liegt, herrscht am Außenriff auch eine starke Strömung.
Glücklicherweise liegt gleich neben der Insel Kandooma die Insel Guraidhoo, die leicht zu Fuß in 10 Minuten erreicht werden kann: Nur ein sehr schmaler Kanal trenn die Inseln, der bei Ebbe immerhin etwa 1,2m tief ist. die restliche Strecke kann mühelos durchwatet werden.
Auf Guraidhoo kostet 1,5L Wasser dann 1 US-$, 2,25L Cola 3$, eine Dose Cola 1$ etc. Die Preise dort sind vergleichsweise zivil.
Dementsprechend warnt das Hotelmanagement vor den möglichen Gefahren eines Einkaufstrips.
Sie ist fast rund, und hat einen prächtigen Natur-Sand-Strand. Die Insel ist winzig, vielleicht 60m Durchmesser. Dort gab's Mittagessen. Vorher haben wir die Insel umschnorchelt. Auch hier waren alle Korallen, bis auf wenige Ausnahmen, tot.
Nach meiner Ankunft habe ich gleich einen Schnorchelgang am Hausriff gemacht. Ein Dhoni bringt einen dahin. Ich war erschüttert: Es handelt sich um einen Schutthaufen! Die Korallen waren restlos tot, zerbröselt, von einem Algenflaum überwachsen. Natürlich gab es Fische - aber halt nix im Vergleich zu einem intakten Riff. Der Weg zurück zum Jetty hat diesen Eindruck vertieft. Alles tot. Zerbröselt. Versandet. Verödet. Das gilt für alle anderen Bereiche, die schnorchelmäßig innerhalb des Riffs erreichbar sind, ebenso.
Meine Stimmung war danach auf dem Tiefpunkt, und die gebuchten 19 Tauchgänge schienen mir 19 Tauchgänge zuviel zu sein.
Außer dem Hausriff gibt es an der Außenkante des Riffs praktisch keine Tauchplätze. Wenn man sich trotzdem eine Lücke an die Außenkante sucht, so ist größte Vorsicht angeraten, da die Strömung dort sehr stark sein kann. Auf alle Fälle sollte auf der Insel eine Person die Taucher im Auge behalten, um notfalls Alarm geben zu können.
Glücklicherweise waren die Tauchgänge dann nicht so schlimm wie vom Hausriff her vermutet.
Auf Kandooma befindet sich die Tauchschule "Aquanaut", die zugleich ein 5*-Padi-Ausbildungszentrum ist. Die Betreuung durch die Tauch-Guides ist durchwegs freundlich, professionell, und die Briefings haben stets Sinn gemacht. Eine Skizze des Tauchplatzes erleichtert die Orientierung später. Auch werden die Limits genannt: Maximale Tiefe 30m; maximal 60 Minuten Dauer, 3 Minuten Sicherheitsstop in 5m, Tauchgang bei 50bar beenden.
Wer sich in größere Tiefen verirrt hat, wird in der Regel angesprochen, weshalb der Riffboden einfach bei 30m definitionsgemäß liegt..
Ganz wichtig ist auch, daß wir zumeist so an den Tauchplätzen abgesetzt wurden, daß tatsächlich die Riffkante richtig erreicht werden konnte, ohne daß man sich große Strecken arbeitend zurücklegen mußte. Sehr erfreulich!
Das Tauchzentrum gibt an jeden Taucher Bojen aus, und es wird erwartet, daß man vor dem Auftauchen die Boje setzt, und den Sicherheitsstop in 5m an der Bojenleine durchführt. Das nutzt auch dem eigenen Scheitel, denn der Bootsverkehr im Guraidhoo-Kanal ist durchaus stark. Die Bojen sind echte Hilfen, das Aufblasen will allerdings geübt sein, damit man währenddessen nicht absackt oder hochgerissen wird.
Das weltweite Korallensterben wird erfolgreich von allen Beteiligten ignoriert oder heruntergespielt. Jedenfalls war die Wassertemperatur im Juli 98 auch in 30m Tiefe noch bei über 30°Celsius, und das hat den Korallen übel mitgespielt.
Wahrscheinlich fällt es der großen Mehrheit der Taucher ohnehin kaum auf, da sie, blind für alle Details zumeist in respektvoller Entfernung von den Korallenresten durchs Wasser paddeln.
Wer allerdings grundelt, der kann feststellen, daß praktisch alle Korallen, bis auf einige wenige Fleckchen, tot sind.
Entsprechend sind alle auf diese Korallen angewiesenen Fische weg, und es bleiben nur die, die Krustentiere oder andere Fische fressen. Nachdem das auch noch viele Arten sind, fällt der Mangel an Korallenfischen nicht so deutlich auf.
Jedenfalls haben sich viele Taucher begeistert über den Fischreichtum ausgelassen.... Für mich haben die Malediven allerdings den wesentlichen Reiz verloren, zumal mir auch der messerscharfe Inselsand (s.o) das Barfußlaufen verleidet.
Dafür breiten sich diverse Algen und Schwämme aus. Darunter besonders interessant ist eine kalkbildende Rotalge, die die Korallen mit einer harten pink/lila-farbenen dünnen Schicht versiegelt. Nicht uninteressant anzuschauen.
Angeblich hat es so ein Korallensterben schon mal vor 20 Jahren gegeben. Wer weiß näheres darüber? Welchen Umfang hatte es damals?
Copyright 2006, 2007 © Claus Gregor
last update: 8.2.2007